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Ulrich Hartig. Der Duft von Zitronen und Meer. Impressionen aus dem Süden

Ausstellung in der Kunsthandlung Langheinz in Darmstadt

von Martina Bielen

Ulrich Hartig liebt den Süden. Mediterrane Farben prägen seine Bilder: Hier ein kräftiges Ockergelb, dort ein Tupfer Terracotta, türkis das Meer und der Himmel so blau, wie er nur im Süden erscheinen mag. Eindrücke von Reisen nach Spanien und Frankreich hat Ulrich Hartig in Landschaftsszenarien auf die Leinwand gebannt. Symbolhaft dargestellt werden Zitronen im Vordergrund des Bildes „Mallorca - Banyalbufar“, dahinter eine idyllische Landschaft mit Meeresblick. Fast schon meint man, das Kreischen der Möwen zu hören bei dem Blick vom Meer aus auf „Menton“, Hartigs Ansicht von der Stadt an der Côte d’Azur.

Eine besondere Vorliebe hegt Hartig für Italien. Zwei bis drei Mal im Jahr reist der deutsche Künstler dorthin, genießt die besondere Atmosphäre, lässt sich inspirieren von malerischen Landschaften oder streift durch die schmalen Gassen Venedigs. Unverzichtbares Handwerkszeug bei seinen Streifzügen: Kamera, Block und Stifte. Motive bieten sich ihm genug, er fotografiert sie aus verschiedenen Blickwinkeln. Wenn es ihm notwendig erscheint, skizziert er noch vor Ort, was ihn fasziniert. „Das ist wichtig für mich, um die Details einzufangen.“ Manchmal hat er sofort eine Idee für die bildhafte Umsetzung, manchmal dauert es Tage bis zum Bildkonzept. Erst später, nach seiner Rückkehr ins heimische Atelier in Sinzing bei Regensburg beginnt der eigentliche Schaffensprozess.

Für ein Bild braucht er Tage bis zwei oder drei Wochen. Letztendlich spielt die Entstehungszeit keine Rolle für ihn, allein wichtig ist das Resultat. Im Atelier arbeitet er kontinuierlich acht bis zehn Stunden täglich, dabei hört er gern klassische Musik oder Jazz.

Am liebsten malt Ulrich Hartig mit Acryl- und Ölfarben auf Leinwand. Das war nicht immer so. „Ich habe lange Jahre aquarelliert und war auch damals schon mit meinen Bildern sehr präsent in den Galerien.“

Mitte der 90er Jahre begann der Künstler zu experimentieren. Der Autodidakt entwickelte einen ganz eigenen Stil: „Ich habe versucht, das Aquarellieren zu übertragen auf die Leinwand. Ich mag das Spiel mit der Perspektive.“ Für den Augenblick hat er sich festgelegt: „Momentan sind mir die Leinwandarbeiten lieber. Man kann größer arbeiten.“

Tatsächlich offenbart sich in Bildern von Ulrich Hartig, gleich einer eigenen Handschrift, seine Sicht aus mehreren Blickwinkeln. Etwa bei „Omaggio a Palladio III“, seiner Huldigung des Architekten von La Rotonda. Die Villa bei Vicenza stellt er mit allen vier Ansichten dar, aber nicht etwa nebeneinander, vielmehr gespiegelt. Fast scheint es, als habe er zunächst die untere Hälfte gemalt, dann die Leinwand nach innen gefaltet und durch den Restabdruck der frischen Farbe die obere Hälfte entstehen lassen, ist sie doch weniger farbintensiv. Bei genauerer Betrachtung widerlegen viele kleine Details diese Idee.

In Hartigs Werk „Piazza Navona“ stellt er die Fontana del Nettuno dar, den Brunnen am nördlichen Ende des charakteristischen Platzes des antiken Roms. Rein orthografisch gesehen müsste der Vierströmebrunnen im Rücken des Besuchers liegen. Dem Bildbetrachter indes wird ein Detail der Fontana dei Quattro Fiumi gleich mitgeliefert, in Nahaufnahme direkt neben der Fontana del Nettuno.

Die freigeistige Wiedergabe der Ansichten von verschiedenen Standpunkten aus gesehen, die Hervorhebung von architektonischen Details und das Spiel von Licht und Schatten verleihen Hartigs Bildern Leichtigkeit. Mit Ölkreide erzeugt er aufhellende Streifen: „Ich gebe den Bildern ein Liniengeflecht drüber, das wirkt etwas lebhafter. So wie ein Lichteinfall, der etwas überblendet.“

Dunstschleier über dem Canal Grande, abblätternder Putz an Fassaden, eine Gondel, die unter einer Brücke hinweg gleitet – Hartigs Bilder von Venedig offenbaren den Charme einer längst vergangenen Zeit, lassen den Betrachter lustwandeln durch Laubengänge und unbekannte Gassen. Tiefgründig und voller Facetten, ganz wie die gleichnamigen „Venezianischen Epigramme“ von Goethe, widmet Ulrich Hartig seine Bild-Serie von der Stadt auf Pfählen, mit einem Augenzwinkern dem großen Dichter.

Fast so, als wolle er die Essenz eines Ortes auf die Leinwand bringen, „wie ein Kurzgedicht“, lässt er Nebensächliches weg und fügt neu zusammen. Die Poesie eines Ortes, die Magie des Lichts und architektonische Meisterwerke inspirieren Ulrich Hartig immer wieder aufs Neue zu ganz eigenen Kompositionen. „Ich nehme mir die Freiheit, in meinen Bildern zusammen zu bringen, was in Wirklichkeit nicht unbedingt nebeneinander existieren muss. Dadurch kann ich zeigen, was den Ort so besonders macht.“

Also würden Reisende Gubbio, die Stadt in Umbrien, nach Betrachtung des Bildes von Ulrich Hartig wieder erkennen? „Ja, das denke ich schon!“ Und die Daheimgebliebenen bräuchten nichts weiter zu tun, als zur Ausstellung zu kommen und mit Hartig eine imaginäre Reise in den Süden zu unternehmen? „So ist es“, lacht der Künstler. Darmstädter haben es also nicht weit bis Gubbio.

 



Ulrich Hartig    ulrich@ulrichhartig.de